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Was mich an den IAA-Demonstranten stört

Eigentlich befürworte ich ja die Ziele der Menschen, die die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt zeitweise blockiert und auch sonst einiges Aufsehen erregt haben. Schließlich besitze ich selbst kein Auto, fahre entsprechend mit dem Fahrrad zur Arbeit, gehe zu Fuß einkaufen oder fahre mit dem Bus oder dem Zug zum shoppen in die Stadt. Dies liegt zwar nicht rein am Umweltgedanken (ich fahre vor allem schlicht nicht gerne Auto und es ist mir zudem zu teuer), doch natürlich ist dies ein nicht zu verachtender Zusatzpunkt bei entsprechenden Erwägungen. Und ich fände es tatsächlich prima, wenn ein paar mehr Leute sich mal einen entsprechenden Ruck geben würden und besonders innerstädtisch auf Auto-Alternativen umsteigen würden. Wenn man allein im Kollegenkreis mitbekommt, wie für die rund 6km, die ich täglich mit dem Rad zur Arbeit fahre, einfach standarmäßig das eigene Auto benutzt wird, finde ich das schon dezent faul. Bei Regen dürfte ja auch gerne immer noch auf die Benzinschleuder ausgewichen werden, aber bei halbwegs schönem Wetter ist die Strecke auch von untrainierten Personen in rund 30 Minuten zu schaffen. Viel schneller kommt man da auch motorisiert nicht ans Ziel.

Und selbst wenn man nicht komplett auf einen Motor verzichten möchte: Sofern man dafür das eigene Auto stehenlässt, wäre ich ja auch mit der Benutzung von eBikes oder sogar den neuen eScootern einverstanden. Leider benutzen Letztere der eigenen Beobachtung nach derzeit vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die davor für die gleiche Strecke sicherlich NICHT im Auto unterwegs waren. Anstatt der vielgepriesenen Einsparung von Energie durch die Nutzung der hippen Gefährte wird hier also sogar noch zusätzlich und „just for fun“ verbraucht. Irgendwie am Ziel vorbei…

Jedenfalls haben die Demonstranten durchaus grundsätzlich Recht mit ihrer Forderung auf den Verzicht von Autos. Was mich allerdings hierbei stört (und das nicht nur bei Klimaprotesten), ist die Radikalität und die extreme Schwarz-Weiß-Zeichnung des Ganzen. Ich verstehe ja, dass man eher früh als spät mit Klima- und Umweltschutz anfangen sollte, aber einen gesamtgesellschaftlichen Sprung von 0 auf 100 zu fordern ist nicht nur unrealistisch, sondern auch anmaßend. Niemand, auch nicht ein Umweltschützer mit noch so edlen Absichten, hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und dadurch das Recht, über alle anderen zu entscheiden oder allen anderen etwas vorzuschreiben. Und auch wenn die Welt (angeblich) noch so nah am Abgrund steht, sollte man auf Dialog und Kompromisse setzen, anstatt die Verbots- und Verteufelungskeule zu schwingen. Ich verstehe durchaus die entstehende Angst und das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man sich in der Welt so umschaut und das Gefühl hat, dass Regierungen und Konzerne langsam alles vor die Wand zu fahren scheinen. Dennoch ist es generell, aber ganz besonders in der derzeitigen weltpolitischen Lage, fatal, der angeblich unaufgeklärten Masse den eigenen Willen aufzwingen zu wollen, da sowas in der Regel eher zu trotzigen Abwehrreaktionen als zu einem Verständnisgewinn für die eigene Sache führt. Schwarz-Weiß-Denken ist durch rechte Idioten ja sowieso leider wieder total „in“ geworden in letzter Zeit. Warum um alles in der Welt muss man als Umweltaktivist da nachziehen? Nichts ist Schwarz-Weiß! Auch nicht der Umweltschutz!

Anstatt die Mittel der Populisten zu nutzen und „Wir oder die!“ zu brüllen, überzeugt die Menschen doch bitte durch Freundlichkeit, Dialog und Kompromissbereitschaft. Zeigt, dass euer Weg besser ist, indem ihr es ganz unaufdringlich vormacht und sympathisch auf die Leute zugeht und schreit es nicht nur plump in die Welt hinaus. Und akzeptiert dennoch, wenn jemand anderer Meinung ist. Wahrscheinlich gibt es trotzdem Möglichkeiten, einander näher zu kommen. Das funktioniert aber nicht durch Spaltung, Aggressivität und Bockigkeit, sondern durch Gespräche und Offenheit. Und ja, es dauert so vielleicht etwas länger, sein Ziel zu erreichen und man muss sich von der ein oder anderen Idealvorstellung verabschieden. Aber nur auf diesem Wege kann man etwas verändern, das dauerhaft und mit Überzeugung von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen wird.

Und wenn es dann zu spät ist und die Welt schon kaputt ist, bevor sich etwas bewegt? Erstens glaube ich da nicht dran, denn es gab auch vorher schon diverse Krisen, die die Menschheit mehr oder weniger elegant überwunden hat. Und zweitens wäre es dann halt so. Wenn die Welt nur dann zu retten wäre, wenn ich mich der uneingeschränkten Macht der Umweltschützerfraktion unterwerfe, dann rette ich persönlich sie ehrlich gesagt lieber nicht. Genauso wenig, wie ich mich uneingeschränkt irgendeiner anderen Strömung unterwerfen würde. Klingt vielleicht selbst etwas radikal, aber ich bin einfach unendlich froh über unsere Demokratie und möchte nichts der damit einhergehenden Freiheit, Vielfalt, sowie der Diskussions- und Kompromisskultur eintauschen gegen das Diktat irgendwelcher Besserwisser. Egal, ob deren selbsternanntes Ziel der „Schutz des deutschen Volkes“ oder der Erhalt der Umwelt ist. Es gibt zu jedem Thema mehr als zwei Seiten.

Daher: Diskutiert! Seid offen für andere Meinungen! Schaut mal über den eigenen Tellerrand! Sucht den Kompromiss! Und beschimpft nicht diejenigen, die anders leben als ihr! Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn und der politischen Agenda. Und das gilt wie gesagt generell und nicht nur beim Thema Umweltschutz.

Schönes Leben noch,
euer Grombart