Archiv der Kategorie: Politik

Alles was mit Politik oder politischen Entscheidungen zu tun hat.

Sprachlos

So langsam wird es zunehmend schwer für mich, Schritt zu halten mit dem Wahnsinn, dem die Welt zu verfallen scheint. Nicht nur, dass ein amerikanischer Präsident seine Truppen aus Syrien abzieht und die verbündeten Kurden damit der Willkür eines angehenden (?) türkischen Diktators überlässt, dem diese Volksgruppe schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge ist. Nein, besagter Präsident rechtfertigt diesen Truppenabzug dann auch noch damit, dass die Kurden den Amerikanern ja nicht im zweiten Weltkrieg geholfen hätten. Und doch reicht soviel offensichtliche Dreistigkeit/Dummheit nicht aus, um sich dieses Präsidenten zu entledigen. Oder um seine Anhänger von seiner Inkompetenz zu überzeugen. Gleichzeitig hat Deutschland noch bis vor kurzem Waffen an die Türkei verkauft, obwohl der fragwürdige politische Pfad, der dort eingeschlagen wurde, längst klar und deutlich sichtbar war. Und nun droht der türkische Präsident auch noch, bei Kritik an seinem Vorgehen gegen die Kurden, Europa mit Flüchtlingen zu überfluten. Für deren Unterbringung er bisher noch jede Menge Geld von der EU kassiert hat. Was für sich auch schon wieder eine mehr als fragwürdige Regelung war. Kann man sich jedenfalls alles nicht mehr ausdenken, was zur Zeit passiert. Und wenn ich darüber zu lange nachdenke, fühle ich mich tatsächlich noch fremder auf dieser Welt, als ich es sowieso schon tue.

Doch das ist ja lange noch nicht alles. In Polen wird gewählt und wie es aussieht werden sich dort abermals die Erzkonservativen durchsetzen, die im Wahlkampf noch mehr als zuvor gegen Minderheiten (besonders gerne natürlich gegen die LGBTQ-Community) hetzte und Familienwerte von vor 50 Jahren propagiert. Und nebenbei natürlich die demokratischen Strukturen des Landes weiter abbauen möchte.

Dann der Anschlag in Halle, von dem plötzlich alle überrascht zu sein scheinen, dabei war es doch nur eine Frage der Zeit, bis jemand, angefeuert durch Populismus-Rhetorik, den einen Schritt weiter geht und anfängt um sich zu schießen. Und nein, dieser Populismus kommt eben nicht nur von der AfD! Auch aus dem Mund diverser CDU/CSU-Politiker hat man schon Worte vernommen, die in gewissen Personenkreisen als Aufforderung für tatsächliche Gewalt hätten aufgefasst werden können. Klar, in dem Fall dann vermutlich nicht gegen Juden, aber gegen Flüchtlinge oder andere Minderheiten allemal. Auch bei uns gibt es immerhin hochrangige Politiker der „bürgerlichen“ Parteien, die ganz offen zB zu ihrer Ablehnung der „Homo-Ehe“ stehen.

Bedingt durch mein Hobby erschreckt mich in der Nachbearbeitung des Anschlags in Halle zudem mal wieder besonders die öffentliche Zurschaustellung der eigenen Inkompetenz eines bestimmten Politikers, namentlich unseres Innenministers Horst Seehofer. Da redet ein Experte von einer zunehmenden „Gamification“ der gewaltbereiten internationalen Naziszene und bezieht sich dabei meines Verständnisses nach vor allem auf die zunehmende Vernetzung und neuartige Entwicklungen wie das Livestreaming von Anschlägen, die es den entsprechenden weltumspannenden Communities eben ermöglichen, quasi live und „interaktiv“ bei solchen Anschlägen dabei zu sein. Wie in einem Spiel eben. Soweit ich das gelesen habe, gab es von dieser Seite aus allerdings keinerlei klare Äußerung darüber, dass klassisches Gaming als solches irgendetwas mit dem Anschlag zu tun gehabt hat. Was aber macht unser Innenminister in seiner grenzenlosen Inkompetenz daraus? Man müsse nun ein besonderes Augenmerk auf die Gamingszene legen, da dort oft nicht mehr klar sei, was noch „Simulation“ und was schon Anschlagsplanung wäre. Thema komplett verfehlt und Sinn nicht verstanden, aber Hauptsache mal wieder das alte Fass der „Killerspiele“ aus den 90ern aus dem Keller geholt.

Ich hoffe, man kann meine Fassungslosigkeit etwas nachvollziehen, wenn man so schaut, wer in dieser Welt die wichtigen Entscheidungen trifft. Und wie viele Menschen diese immer deutlicher sichtbar werdende Inkompetenz trotzdem nicht wahrnehmen und sich an Strukturen klammern bzw sich diese zurückwünschen, die eigentlich längst überholt und überwunden sein sollten.

Eben lief übrigens eine tolle Doku über Hebammen in Köln im Jahr 1629. Dort wurde unter anderem erläutert, wie im Zuge der immer effizienter werdenden Druckverfahren vermehrt Flugblätter zur Meinungsmache (zB eben gegen Hebammen) eingesetzt wurden, da die Menschen mit diesem neuen Medium noch nicht umzugehen wussten. So richtig besser geworden ist es mit der Medienkompetenz vieler Leute seitdem leider nicht. Nur sind es heute eben Facebook-Timelines und keine Flugblätter mehr, die die Menschen verunsichern und manipulieren. Schade eigentlich, da das Potenzial zu mehr Information und Weisheit damals wie heute ja eigentlich vorhanden wäre, würde man die Technik denn auch dafür nutzen.

Schönes Leben noch,
euer Grombart

Was mich an den IAA-Demonstranten stört

Eigentlich befürworte ich ja die Ziele der Menschen, die die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt zeitweise blockiert und auch sonst einiges Aufsehen erregt haben. Schließlich besitze ich selbst kein Auto, fahre entsprechend mit dem Fahrrad zur Arbeit, gehe zu Fuß einkaufen oder fahre mit dem Bus oder dem Zug zum shoppen in die Stadt. Dies liegt zwar nicht rein am Umweltgedanken (ich fahre vor allem schlicht nicht gerne Auto und es ist mir zudem zu teuer), doch natürlich ist dies ein nicht zu verachtender Zusatzpunkt bei entsprechenden Erwägungen. Und ich fände es tatsächlich prima, wenn ein paar mehr Leute sich mal einen entsprechenden Ruck geben würden und besonders innerstädtisch auf Auto-Alternativen umsteigen würden. Wenn man allein im Kollegenkreis mitbekommt, wie für die rund 6km, die ich täglich mit dem Rad zur Arbeit fahre, einfach standarmäßig das eigene Auto benutzt wird, finde ich das schon dezent faul. Bei Regen dürfte ja auch gerne immer noch auf die Benzinschleuder ausgewichen werden, aber bei halbwegs schönem Wetter ist die Strecke auch von untrainierten Personen in rund 30 Minuten zu schaffen. Viel schneller kommt man da auch motorisiert nicht ans Ziel.

Und selbst wenn man nicht komplett auf einen Motor verzichten möchte: Sofern man dafür das eigene Auto stehenlässt, wäre ich ja auch mit der Benutzung von eBikes oder sogar den neuen eScootern einverstanden. Leider benutzen Letztere der eigenen Beobachtung nach derzeit vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die davor für die gleiche Strecke sicherlich NICHT im Auto unterwegs waren. Anstatt der vielgepriesenen Einsparung von Energie durch die Nutzung der hippen Gefährte wird hier also sogar noch zusätzlich und „just for fun“ verbraucht. Irgendwie am Ziel vorbei…

Jedenfalls haben die Demonstranten durchaus grundsätzlich Recht mit ihrer Forderung auf den Verzicht von Autos. Was mich allerdings hierbei stört (und das nicht nur bei Klimaprotesten), ist die Radikalität und die extreme Schwarz-Weiß-Zeichnung des Ganzen. Ich verstehe ja, dass man eher früh als spät mit Klima- und Umweltschutz anfangen sollte, aber einen gesamtgesellschaftlichen Sprung von 0 auf 100 zu fordern ist nicht nur unrealistisch, sondern auch anmaßend. Niemand, auch nicht ein Umweltschützer mit noch so edlen Absichten, hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und dadurch das Recht, über alle anderen zu entscheiden oder allen anderen etwas vorzuschreiben. Und auch wenn die Welt (angeblich) noch so nah am Abgrund steht, sollte man auf Dialog und Kompromisse setzen, anstatt die Verbots- und Verteufelungskeule zu schwingen. Ich verstehe durchaus die entstehende Angst und das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man sich in der Welt so umschaut und das Gefühl hat, dass Regierungen und Konzerne langsam alles vor die Wand zu fahren scheinen. Dennoch ist es generell, aber ganz besonders in der derzeitigen weltpolitischen Lage, fatal, der angeblich unaufgeklärten Masse den eigenen Willen aufzwingen zu wollen, da sowas in der Regel eher zu trotzigen Abwehrreaktionen als zu einem Verständnisgewinn für die eigene Sache führt. Schwarz-Weiß-Denken ist durch rechte Idioten ja sowieso leider wieder total „in“ geworden in letzter Zeit. Warum um alles in der Welt muss man als Umweltaktivist da nachziehen? Nichts ist Schwarz-Weiß! Auch nicht der Umweltschutz!

Anstatt die Mittel der Populisten zu nutzen und „Wir oder die!“ zu brüllen, überzeugt die Menschen doch bitte durch Freundlichkeit, Dialog und Kompromissbereitschaft. Zeigt, dass euer Weg besser ist, indem ihr es ganz unaufdringlich vormacht und sympathisch auf die Leute zugeht und schreit es nicht nur plump in die Welt hinaus. Und akzeptiert dennoch, wenn jemand anderer Meinung ist. Wahrscheinlich gibt es trotzdem Möglichkeiten, einander näher zu kommen. Das funktioniert aber nicht durch Spaltung, Aggressivität und Bockigkeit, sondern durch Gespräche und Offenheit. Und ja, es dauert so vielleicht etwas länger, sein Ziel zu erreichen und man muss sich von der ein oder anderen Idealvorstellung verabschieden. Aber nur auf diesem Wege kann man etwas verändern, das dauerhaft und mit Überzeugung von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen wird.

Und wenn es dann zu spät ist und die Welt schon kaputt ist, bevor sich etwas bewegt? Erstens glaube ich da nicht dran, denn es gab auch vorher schon diverse Krisen, die die Menschheit mehr oder weniger elegant überwunden hat. Und zweitens wäre es dann halt so. Wenn die Welt nur dann zu retten wäre, wenn ich mich der uneingeschränkten Macht der Umweltschützerfraktion unterwerfe, dann rette ich persönlich sie ehrlich gesagt lieber nicht. Genauso wenig, wie ich mich uneingeschränkt irgendeiner anderen Strömung unterwerfen würde. Klingt vielleicht selbst etwas radikal, aber ich bin einfach unendlich froh über unsere Demokratie und möchte nichts der damit einhergehenden Freiheit, Vielfalt, sowie der Diskussions- und Kompromisskultur eintauschen gegen das Diktat irgendwelcher Besserwisser. Egal, ob deren selbsternanntes Ziel der „Schutz des deutschen Volkes“ oder der Erhalt der Umwelt ist. Es gibt zu jedem Thema mehr als zwei Seiten.

Daher: Diskutiert! Seid offen für andere Meinungen! Schaut mal über den eigenen Tellerrand! Sucht den Kompromiss! Und beschimpft nicht diejenigen, die anders leben als ihr! Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn und der politischen Agenda. Und das gilt wie gesagt generell und nicht nur beim Thema Umweltschutz.

Schönes Leben noch,
euer Grombart

Die Wahl in Sachsen und Brandenburg

Wahrscheinlich wurde im Fernsehen schon genug dazu gesagt, aber wozu habe ich jetzt meinen neuen Blog? Natürlich um zu meckern! Also, wo fange ich an?

Damit, dass mir das Wahlergebnis nicht gefällt, stehe ich vermutlich nicht alleine da. 23,5% bzw 27,5% für die AfD sind einfach erschreckend. D.h. rund jeder vierte Wahlberechtigte hat für eine Partei gestimmt, die offen Ausländer- und Europafeindlich ist, die gegen Minderheiten hetzt, die die Schrecken des 2ten Weltkriegs relativiert und die offen mit Neonazis sympathisiert. Bei einer Wahlbeteiligung von jeweils knapp über 60% heißt das zudem, dass insgesamt mindestens jeder siebte Erwachsene in Sachsen und Brandenburg mit der AfD sympathisiert. Jedenfalls sofern man unrealistischerweise davon ausgeht, dass alle Nichtwähler nicht die AfD wählen würden, was natürlich Unsinn ist. Ziemlich wahrscheinlich sind also noch deutlich mehr Menschen dort AfD-Sympathisanten. Aber selbst den optimistischsten Fall von 1 zu 7 finde ich schon mehr als bedenklich. Für mich wäre so eine Quote ehrlich gesagt ein Grund, mich nach einer neuen Wohngegend umzusehen. Ich möchte nicht von Nazis oder deren Befürwortern umgeben sein.

Aber halt, es sind doch nicht alle AfD-Wähler Nazis! Nein, sind sie auch nicht. Viele wählen sie sicherlich tatsächlich „nur“ aus Protest. Allerdings ist mittlerweile mehr als klar, in welche Richtung die AfD tendiert und mit welchem Gedankengut dort um sich geworfen wird. Niemand kann mir also glaubhaft erzählen, dass er nichts von den rechten Umtrieben dieser Partei wusste. Und wenn man dann trotzdem so eine Partei wählt, dann tut man das eben in vollem Bewusstsein darüber, was man da unterstützt. Selbst wenn man immer glücklich in seiner Filterblase lebte und der bösen Lügenpresse sowieso nicht glaubt, kam man wohl kaum drum herum, zumindest gelegentlich mit weltoffeneren Meinungen in Berührung zu kommen. Unwissenheit zählt also nicht. Außer die Leute in Sachsen und Brandenburg sind einfach total dumm und kriegen garnix mit. Aber das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Wer nun also mit diesem Basiswissen immer noch AfD wählt, unterstützt eine Partei, die mit Nazi-Gedankengut sympatisiert. Ganz egal ob er das wirklich so will. Ganz egal ob er Merkel (oder „denen da oben“) „nur eins auswischen“ will. Und wer die Unterstützer von Nazi-Gedankengut unterstützt, der ist letztlich ein Nazi. Oder zumindest eben auch ein Nazi-Unterstützer. Basta!

Trotzdem sehe ich durchaus auch, warum die AfD so einen Zulauf bekommt. Wenn man sich die Politiker der etablierten Parteien am Wahlabend so ansah, dann konnte einem auch selbst manchmal das Kotzen kommen. Wer so verlogen ist und angesichts dieses Wahlergebnisses immer noch von „guter Arbeit“ oder einem „Erfolg“ spricht, nur weil er gerade noch so ein paar Prozentpunkte vor der AfD gelandet ist, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Das ist unglaubwürdig und verlogen. Und solch ein Verhalten zeigen die lieben Politiker ja auch nicht nur am Wahlabend, sondern andauernd. Kein Wunder, dass sich da einige Leute verarscht fühlen. Auch ich fühl mich da veräppelt. Wieso sagen die Leute nicht zur Abwechslung mal die Wahrheit? Was ist so schlimm dadran, mal zuzugeben, dass etwas einfach absolut scheisse gelaufen ist? Das wäre ehrlich und würde von echter Größe zeugen. So aber haben die Damen und Herren letztlich gleich am Wahlabend weiter an ihren eigenen Stühlen gesägt. Und an der Stabilität unseres Landes. Und das lässt mich fast noch mehr in Entsetzen verfallen als das AfD-Ergebnis selbst. Genau diese Uneinsichtigkeit ist es nämlich, die der AfD überhaupt erst diesen Aufschwung ermöglicht hat. Klar gibt es auch genügend rechte Idioten, die generell gerne hetzen, aber solch eine flächendeckende Unterstützung wie jetzt bekommen solche „Protestparteien“ in einem so zivilisierten und wohlhabenden Land wie Deutschland eigentlich nur, wenn es die etablierten Parteien knallhart verbocken.

Bleibt nur noch zu sagen, dass ich hoffe, dass es bald Veränderungen gibt, die diesen rechten Trend stoppen. Bevor es einen großen Knall gibt. Die Leute in meinem privaten Umfeld geben mir dabei Hoffnung. Die weltpolitische Lage eher nicht. Wir werden sehen, was kommt.

Schönes Leben noch,
euer Grombart